Ein Beitrag zur #LBMonline 2020 – (Schreib-/Leistungs-)Motivation

Es gibt die Theorie, dass wir Menschen Motivation gegenüber einer Handlung zeigen, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt (‚Erwartung mal Wert’-Theorie von Lewin, Atkinson und Rotter). Dabei geht die Theorie davon aus, dass man sich rational zu einer Handlung entscheidet.

1. Es könnte bei einem (A) Orangenkauf oder einem (B) Autokauf so aussehen, dass wir bei (A) viel weniger Entscheidungsaufwand betreiben als bei (B), weil (A) wesentlich weniger Risiken für die Geldbörse birgt als (B). 

2. Es könnte hinsichtlich einer Tätigkeit so aussehen, dass man diese gar nicht erst anpackt, weil die Kosten im Verhältnis zum Wert zu hoch sind oder man davon ausgeht, das Ziel gar nicht erreichen zu können. 


Viele von euch schreiben ein Buch. Die Kosten sind beinahe unermesslich, wenn man sich Zeitaufwand, nötige Ausdauer und finanzielle Aspekte (grade im Selfpublishing) anschaut. Teilweise muss ein*e Autor*in um die 5000€ vorstrecken, um das Werk überhaupt auf den Markt zu bringen – die vorausgehende Arbeitszeit nicht mit eingerechnet. Die Belohnung hoher Verkaufszahlen – die im Verhältnis zum Arbeitsmoment ohnehin schon extrem verschoben ist (denkt einmal an das Ü-Ei-Experiment) – ist zu keinem Zeitpunkt (vor/nach Veröffentlichung) sicher. 

Warum macht man das? 


Ich denke, das ganze beruht auf einer intrinsischen Motivation. Autor*innen schreiben um des Schreibens Willen. Irgendwie ist das Schreiben an sich ausreichend belohnend (Spaß, Ventil, Abschalten, o.ä.). Manche Autor*innen sind zufrieden, wenn das Buch von 15, 20 Menschen gelesen wird und es diesen Personen gefällt. Manchen reicht das aber auch nicht. Je nach Investition verschuldet man sich ggf. oder das Buch verschwindet in der Versenkung tausender andere Bücher und wird kein Bestseller. Also … so ganz rational ist das immer noch nicht. 

Ich denke, dass daher oftmals das Unverständnis anderer Leute gegenüber Autor*innen resultiert. Der Aufwand, die Kosten sind SO überdimensional im Verhältnis zum letztlichen Nutzen. 

Und trotzdem gibt es unendlich viele Bücher. Viele Menschen schreiben. Viele Menschen veröffentlichen. (Auf die Frage, wo dabei das Verhältnis ist, will und kann ich an dieser Stelle nicht eingehen.) 


Ich bin der Auffassung, dass sich jede*r Autor*in darüber klar werden sollte, warum er*sie schreibt, welches Ziel er*sie damit verfolgt, wann dieses Ziel erreicht sein soll, um so selbst das Kosten-Nutzen-Verhältnis in eine gewisse Ausgewogenheit zu bringen. Wenn ich die Erwartung (Buchexemplar für mich? Buchexemplar für Familie? Bestsellerautor*in? In 6 Monaten oder 5 Jahren?) bestimme, kann ich durch eine Kostenregulierung (Prof. Lektorat? Prof. Cover? Prof. Buchsatz?) meinen Nutzen/Gewinn (Schulden, Zeit bis zur Zielerreichung) maximieren.

I. Wenn ich weiß, dass es mein Ziel ist, meinen eigenen Text einmal als Buchexemplar in Händen zu halten, dann ist eine Investition von tausenden Euro kein Muss. 

II. Will ich jedoch Bestsellerautor*in werden, muss ich entsprechend investieren. 

Dadurch würde sich meiner Theorie nach bei I. kein Frust über den großen Verlust und bei II. keine Enttäuschung über die nicht erreichten Ziele einstellen.

Es ist euer Traum, es ist euer Buch, es ist euer Ziel. Seid euch darüber im klaren, was ihr wollt, wie ihr ans Ziel kommt und ihr könnt Kosten minimieren, Nutzen maximieren und somit auch (Schreib-/Leistungs-)Motivation maximieren. 

Jemand, der weiß, er will sein Buch für sich selbst drucken lassen, der wird angesichts der hohen Kosten eines Lektorats, des Zeitaufwandes und der Ausdauer (Schreib-/Leistungs-)Motivation einbüßen. 

Jemand, der weiß, der will Bestsellerautor*in werden, der wird angesichts von mangelnden finanziellen Mitteln (Schreib-/Leistungs-)Motivation einbüßen. 

Klingt doch irgendwie ganz rational und logisch, oder? 


Worauf will ich hinaus: Ich glaube, um die optimale Motivation, die optimale Leistung und das optimale Ergebnis erbringen zu können, muss man als Autor*in wissen, was man will, was man erwartet, wie schnell man es erwartet. Man muss einen gewissen Plan haben – nicht in einer Doktorarbeit niedergeschrieben, aber gedanklich verinnerlicht. 

Will man Autor*in von Beruf sein, dann kann man sich nichts vormachen, dann ist das ganze Unternehmen eine Aktion, die durchdacht sein sollte, und nicht einfach passiert, ganz gleich welches Talent man hat. Eine Angemessene Zielsetzung, die Organisation des Weges dahin (bspw. finanzielle Rücklagen generieren) maximiert Schreib- und Leistungsmotivation UND den Gewinn. Ein klarer, kühler Kopf zahlt sich am Ende aus.


Oder? Was sagt ihr dazu? Lasst mir gern einen Kommentar da! Ich würde mich sehr freuen.

An dieser Stelle muss man bedenken, dass das Thema bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Nicht nur Zielsetzung und Motivation spielen für das Erfolgreichsein eine Rolle. Damit möchte ich sagen, dass ich mich in diesem Beitrag theoretisch/abstrakt auf motivationstheoretische Modelle stütze, die primär dem Autor*der Autorin dazu verhelfen sollen, am Schreib-Ball zu bleiben. Das geht mit guter Planung, genauer/vernünftiger Zielsetzung und realistischer Situationseinschätzung. Ich erhebe darauf keinen Absolutheitsanspruch und bin offen für andere Überlegungen. Ich freue mich auf eure Ideen.

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